Sonntag, 1. April 2018

„VERGESSENE GRÄTEN“- BREMER FISCH IN DER GESCHICHTE

Die Weser vom Peterswerder aus betrachtet
Denken wir an Lachs, so entsteht vor unseren Augen gerne das Bild eines rauschenden Stromes in Alaska, Kanada oder Norwegen...am besten in der Mitte noch ein Braunbär, der mit seiner Pranke nach einem Fisch schnappt?!
Kaum ertappen wir uns bei der Vorstellung an den Weserlachs zu denken, oder...? Ein hanseatisches „Fischstäbchen“ war dieser aber keines falls. Galt und gilt er auch noch heute als König der Fische.
So ist er man gerade „gut genug“ um das Wappen der ältesten Zunft in Bremen zu zieren. Schließlich genoss diese ein hohes Ansehen in der Stadt. Längst ahnen Sie es, geneigte Leserin und geneigter Leser... das war die Zunft der Fischer.

Allerdings musste man sich das ja auch einteilen. Das Dienstpersonal ließ sich, so wie wir es heute beschreiben würden eine frühe Form des „Mindestlohns“ vertraglich zusichern. Der Fischverzehr wurde auf zweimal die Woche reglementiert.

Der bekannte und heute „un“erkannte Bremer Reise- Autor Johann Georg Kohl schreibt einst in seinem Buch DER RATSWEINKELLER ZU BREMEN, das es für lange Zeit Tradition gewesen sei das der Kaiser den ersten im Februar gefangenen Flußlachs zugesandt bekommen habe.

Auch Friedrich der Große ließ sich zu folgendem „kaiserlichem Dank“ hinreißen. Er schrieb in der Angelegenheit am 28. April 1756 an den Senat: „Ehrenhafte, Hochgelehrte und Liebe! Wie es mir jedes Mal ein wahres Vergnügen ist, wenn ich die Versicherungen meiner Propension und besonderen Wohlwollens gegen Euch und der guten Stadt Brehmen wiederholen kann, so habe ich auch diejenigen nicht verabsäumen wollen, da Ihr ohnlängst Eure gegen mich hegende Attention in Uebersendung einiger dortiger Lachse zu wiederholten Malen marquiret habt, und Euch deshalb nicht nur gnädigst danken, sondern hauptsächlich versichern wollen, daß Mir alle Gelegenheiten besonders angenehmen sein sein werden, wenn ich Euch und der guten Stadt Brehmen wirkliche Merkmale Meines gegen Euch und dieselbe beständig hegenden Wohlwollens werde geben können.“

Zweifellos für heutige Maßstäbe, die oft nur 140 Zeichen zulassen, zu lang. Aber ist das nicht ein echter verschwurbelter kaiserlicher Dank? Übrigens nachlesen kann man das auch in dem Buch von Hanns Meyer mit dem Titel GASTLICHES BREMEN.

Während den Weserlachs nur ein „kleiner“ Kundenkreis im Auge hatte, wurden in einem Atemzug mit dem Bremer Kaffee und Tabak oft die Pricken oder sogeannte „Neunaugen“ genannt.
Oft waren sie eine Ehrengabe an kaiserliche Räte, Fürsten u.a. Personen aus den erlauchten Kreisen.

Der Handel mit den Pricken ging von Bremen aus bis Wien, Florenz, Rom...damit sind nur einige wichtige Städte genannt.
Der Senat erließ 1746 genaue Verordnungen, die sich mit der Güte, der Verpackung und dem Versand befassten.
Das es dem Senat wichtig war, sah man daran, das 100 Jahre später das ganze durch zwölf weitere Bestimmungen verschärft wurde.

Es gab sogar eine Societät der Neunaugenbrater. Die Mitglieder mussten beeidigt werden.
Hätte man die Möglichkeit durch das alte Bremen zu flanieren so könnte man an den Straßen Tiefer und Werderstraße Türschilder mit der Aufschrift beeidigter Neunaugenbrater sehen.
Heute ist dies nur durch einen „trockenen“ virtuellen Besuch in den Bremer Adressbüchern möglich.

Stellt man sich die Frage nach dem Verbleib der Pricken so ist die Antwort eine ganz einfache. Die Weserkorrektion veränderte nicht nur den Flusslauf, sondern sie „korrigierte“ auch den Bestand der Flora und Fauna im und am Fluss. 

Quellen:
Johann Georg Kohl DER RATSWEINKELLER ZU BREMEN 
Vero Verlag Gmbh & Co KG (29. Januar 2014) 
ISBN-10: 3956107640
ISBN-13: 978-3956107641 
Hanns Meyer GASTLICHES BREMEN
Hauschild Verlag 1959 
ASIN: B0000BLKQB 

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